Warum die Bankenregulierung in Wahrheit eine IT-Regulierung ist

Banken müssen in kurzer Zeit eine Vervielfachung der Prozesse, Berechnungsroutinen und Liefer­verpflichtungen im Rahmen des regulatorischen Reportings stemmen

Die Anforderungen, die durch CRD, AnaCredit und Co. gestellt werden, verändern Prozesse und Datenflüsse und damit die gesamte IT jeder Bank. Es gilt, dies als Gelegenheit zu sehen, IT-Prozesse zum Besseren zu ordnen und damit aus der Muss-Investition einen echten Mehrwert zu machen.

Als Folge der Bankenkrise stärkte die Politik in den letzten Jahren die Bankenaufsicht und führte zahlreiche neue Anforderungen im Reporting der Bankenbranche an die verschiedenen Aufsichtsbehörden ein. EBA (European Banking Authority), EZB (Europäische Zentralbank), BaFin (Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht) und Deutsche Bundesbank müssen ihre jeweils von der Politik festgelegten Aufsichtspflichten erfüllen und benötigen dafür von den Banken eine immer größer werdende Menge an Geschäftsdaten, Risikokennziffern und Projektionen. Die Schlagworte Basel III, CoRep, FinRep, AnaCredit, EZB-Bankenstatistik und Stresstests sind inzwischen auch außerhalb der Branche ein Begriff.

Weniger bekannt ist jedoch, wie viele verschiedene Anforderungen hinter den entsprechenden Vorschriften stecken, und dass die Banken in kurzer Zeit eine Vervielfachung der Prozesse, Berechnungsroutinen und Lieferverpflichtungen im Rahmen des regulatorischen Reportings stemmen müssen. Innerhalb des letzten Jahrzehnts hat sich nicht nur die Menge der monatlich oder quartalsweise zu liefernden Kennzahlen vervielfacht, sondern auch die geforderte Detailtiefe der bereitzustellenden Daten. Oftmals ist es daher notwendig neben der Implementierung der neuen Rechenvorschriften, die Datenflüsse innerhalb der Bank vom Anfang des Prozesses an – und damit manchmal schon bei der Datenerfassung – neu zu ordnen.

An der Erfüllung gesetzlicher Vorschriften kommt natürlich keine Bank vorbei. Die Investition in die Erweiterung oder auch vollständige Neueinrichtung von Prozessen und Datenflüssen ist daher für jedes Institut zwingend. Nicht nur auf den ersten Blick wirken die dafür nötigen Aufwände daher oft so, dass für die Bank selbst neben der Erfüllung gesetzlicher Pflichten keinerlei messbarer Nutzen entsteht. Meine Erfahrung zeigt jedoch, dass es mit wenig oder sogar keinem zusätzlichen Aufwand möglich ist, die sowieso nötigen Erweiterungen so vorzunehmen, dass auch außerhalb des regulatorischen Reportings ein nicht zu unterschätzender Nutzen entsteht. Dies ist möglich, weil bei richtiger Herangehensweise die notwendigen Anpassungen oft Geschäftsprozesse – quasi nebenbei – automatisieren, vereinfachen, verbessere und beschleunigen. Auf die Erkennung solcher Möglichkeiten und die bereichsübergreifend sinnvolle Konzeption der notwendigen Anpassungen lege ich daher im Sinne meiner Kunden größten Wert.

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